Geige selber lernen

Ein paar Grundschritte, wie Du jetzt schon Geige spielen kannst

Um Geige spielen zu lernen, ist es natürlich besser, einen Lehrer an seiner Seite zu haben. Gerade bei der Geige beginnt das Spielen mit dem Hören, mit genauen Hand- und Fingerstellungen und mit der richtigen Haltung.

Es ist absolut NICHT zu empfehlen, Kinder das Geigespielen selbst lernen zu lassen! Ihnen stehen noch alle Türen offen und eine fundierte Ausbildung ebnet ihnen den Weg in das Berufsleben. Man weiss nie, wie sich ein Kind entwickeln kann…

Jeder andere aber ist herzlich eingeladen, seine ersten Schritte selbst zu tun. Oder seine Kenntnisse zu prüfen und/oder zu erweitern. Ein ausführliches Buch ist in Planung, hier sollst Du aber die allerersten Schritte finden, um Dich an der ein oder anderen Note zu probieren.

Der Bogen

Bogen
(Bogenstange, Silberumspinnung, Bogenleder, Perlmuttauge, Schraube,
Bogenhaar aus Rosshaar; dunkler Pfeil: Position für den Daumen)

Haltung: Mache mit dem Daumen und dem Mittelfinger Deiner rechten Hand einen Kreis wie das Zeichen für „ausgezeichnet“. Beide Finger müssen an den Spitzen schließen. Nun legst Du den Bogen in diesen Kreis. Der Daumen stützt sich kurz vor dem Frosch (das ist der schwarze „Klotz“ mit dem Perlmuttauge) mit seiner Spitze gegen die Bogenstange. Er müsste jetzt genau zwischen Frosch und Bogenleder (das ist das Leder, in dem die silberne Umwicklung endet) sitzen.* Mit dem Mittelfinger triffst Du dort den Daumen. Nun machst Du eine runde Hand, ähnlich einer Katzenpfote. Alle Gelenke müssen rund sein; keines darf sich durchdrücken, alles muss sich beweglich und weich anfühlen. Nun stelle den kleinen Finger mit dessen Kuppe auf die Bogenstange. Er trägt tatsächlich das ganze Gewicht, während die anderen Finger eine Art Führung und Halterung für den Bogen darstellen.
Bis Du diese Haltung richtig gut kannst, wird es sicher ein wenig dauern, also Geduld.

(* Es gibt viele Theorien, einen Bogen zu halten. Das ist das, was ich gelernt habe und was für mich gut funktioniert.)

ZeigefingerDaumen
(Daumen und Mittelfinger treffen sich)

Daumenstellung
(
Der Daumen liegt mit der Spitze an der Bogenstange. Alle Gelenke bleiben rund.)

Bogenhand
(Bogenhaltung: der kleine Finger steht auf der Stange, das Handgelenk bleibt gerade, der Daumen muss rund bleiben, der Zeigefinger liegt mit dem 2. Fingerglied auf der Bogenstange auf und ist verantwortlich für den Bogendruck.)

 

Bogen ziehen: Mit der Haltung oder dem, was im Moment in dieser Art für Dich möglich ist, ziehst Du den Bogen nun auf der A-Saite Deiner Geige. Die Bogenhaare müssen vollständig die Saite berühren. Achte dabei darauf, dass der Bogen ganz gerade läuft (wie auf Schienen). Das ist manchmal etwas schwer zu sehen, daher ist ein großer Spiegel sehr von Nutzen. Schiebe und ziehe den Bogen langsam hin und her (ohne abzusetzen, indem Du einfach ständig die Bogenrichtung änderst), bis Du einen gleichmäßigen Ton erzeugen kannst.

Da der Bogen am Frosch schwerer ist als an der Spitze, musst Du etwas Druck nachgeben, wenn Du in Richtung Spitze kommst und entsprechend etwas nachgeben, wenn Du wieder Richtung Frosch gehst. Wie stark, wirst Du an der daraus resultierenden Tonqualität erkennen.

Das Streichen von ein oder zwei Saiten: Um gut spielen zu können, musst Du ins Gefühl bekommen, in welchem Winkel Dein Bogen auftrifft. Spiele daher abwechselnd für ein paar Minuten zwei Saiten gleichzeitig und dann ein paar Minuten jede Saite einzeln.

Mache diese Übungen ca. 10Minuten am Tag und Du wirst staunen, wie schnell Du ein Gefühl dafür entwickelst.

Die Geige

Haltung: Es gibt einige recht einfache Faustregeln dafür. Zum Spielen benötigst Du eine Schulterstütze (vielleicht musst Du noch eine kaufen). Setze die Geige nun an Deinen Hals auf der linken Seite Deines Körpers. Sie sollte nun in einem 45°-Winkel zu Deiner Körpermitte und etwas unterhalb Deines Schlüsselbeins anliegen. Nun drehe den Kopf zu ihr hin und lege ihn mit der linken Kieferseite auf. Das Kinn sollte sich jetzt direkt neben dem Kinnhalter befinden; nicht darin. So klemmst Du die Geige locker(!) zwischen Kiefer und Körper.

Nun führe den linken Arm an das Griffbrett. Wenn Du Deine Hand locker herunterhängen lässt, macht sie automatisch die richtige Stellung. Diese hebst Du an das Griffbrett, so dass sich der Daumen auf der linken Seite befindet und die anderen Finger auf der rechten. Nun kannst Du die Geige mit der Hand anheben oder sie zwischen Kiefer und Körper eingeklemmt halten. Diese Flexibilität benötigst Du zum Spielen.

Aufsetzen der Finger: Hier gilt im Groben, dass Finger, die direkt nebeneinander liegen, einen Halbton erzeugen. Ist zwischen den Fingern eine Lücke in der Größe von etwa einem Finger, entsteht ein Ganzton.
Drehe die Hand also so über das Griffbrett, dass die Knöchel etwa parallel dazu stehen und die Finger mit ihrer Kuppe leicht auf die Saite zu setzen sind. Nun folgt die Grundstellung: Die leere Saite erzeugt den ersten Ton. Dann kommt der Zeigefinger (1. Finger) auf eine solche Höhe, dass ein weiterer Finger zwischen ihn und die leere Saite passen würde. Der 1. Finger bleibt liegen und der 2. Finger (Mittelfinger) folgt mit demselben Abstand. Der 3. Finger (Ringfinger) liegt nun genau neben dem 2. Finger. Anschließend folgt der 4. Finger (kleiner Finger) wieder mit dem Abstand eines ganzen Fingers.
Wo genau die Finger platziert werden, kannst Du nur durch das Hören herausfinden. Es erfordert eine längere Zeit, bis sich Ohr und Finger miteinander verknüpfen und Du sicherer die Tonhöhe (Intonation) treffen kannst. Also nicht verzagen.

Hand

Theoretisch kannst Du nun die ersten Töne spielen.

Tipp

Lass alle Finger liegen, die sich vor Deinem Finger befinden. Das wird wichtig sein für schnelleres Spielen. Gehst Du abwärts, nimm immer nur den Finger hoch, der „im Weg steht“.