Geigenkauf

Tipps zum Geigenkauf

Es ist natürlich nicht notwendig, als Beginner sofort eine „Stradivari“ zu kaufen. Ein gut funktionierendes und nicht all zu schlecht klingendes Instrument ist ausreichend, aber auch notwendig. Daher Hände weg von Billigwaren und vor Käufen, bei denen man das Instrument nicht vorher gesehen und gehört hat. 

Instrumentengröße

Es kommt beim Kauf der Geige auch darauf an, wie alt oder wie groß der Spieler ist, für den das Instrument gedacht ist. Für Erwachsene gibt es im Grunde eine Einheitsgröße; für Kinder jedoch geht es von 1/8 bis 3/4-Geige. Welche Größe die passende ist, findet man mit Hilfe des eigenen Lehrers oder mit seinem Geigenbauer zusammen heraus.

Tipp
Faustregel: Der linke Arm sollte in etwa einen 90°-Winkel machen, wenn man die Finger auf die Saiten setzt. Ist der Winkel zu groß, ist das Instrument ebenfalls zu groß. Ist er bereits zu klein, sollte man sich nach einem größeren Instrument umsehen. 

Geige mieten

Da sich Kinder noch im Wachstum befinden und, ähnlich wie bei der Kleidung, schneller eine neue Größe benötigen, ist es hier eher sinnvoll, eine Geige zu mieten. Das geht am besten über einen Geigenbauer. Zudem muss man bedenken, dass Kinder sich häufig noch umentscheiden und etwas anderes machen möchten als Geige zu spielen.

Auch für Erwachsene würde ich zunächst empfehlen, ein Instrument zu mieten, denn einem Anfänger wird es noch nicht möglich sein, qualitative Unterschiede der Instrumente bereits so weit einzuschätzen oder seine persönlichen klanglichen Präferenzen bereits zu erkennen, so dass sich die Anschaffung einer eigenen und im Normalfall nicht ganz preiswerten Geige lohnen würde.

Geige kaufen

Ist es nun aber doch an der Zeit oder einfach der Wunsch, sich ein eigenes Instrument anzuschaffen, dann kann man auf folgendes achten:
Wird bei einem Online-Händler eine Geige angeboten, die einen Wert von 20,00 – 50,00€ hat, kann man davon ausgehen, dass es sich dabei um einen asiatischen Artikel handelt, der zudem oft nicht spielfertig ist.
Möchte man doch bei einem, im Normalfall preisgünstigeren, Onlineanbieter eine Geige kaufen, sollte man so lange Instrumente zurücksenden und bestellen, bis ein Exemplar dabei ist, dass den eigenen Klanggeschmack trifft. Man kann bei solchen Manufakturgeigen durchaus bereits Glück haben.

Bei einem Musikalienhändler oder einem Geigenbauer kann man vor Ort Instrumente ausprobieren und anspielen. Zudem bekommt man eine fachkundige Beratung. Im Preissegment von 400,00€ kann man hier schon fündig werden. Ist man sich nicht sicher wegen des Klangs oder hat Angst, zu einem Kauf gedrängt zu werden, sollte man sich einen Bekannten oder Freund mitnehmen, der im Idealfall ebenfalls Geige spielt und sich eine zweite Meinung einholen.

Ein Kauf von privat ist natürlich ebenfalls möglich. In einem solchen Fall wäre es empfehlenswert, das Instrument bei Gefallen einem Geigenbauer vorzustellen und es auf dessen Wert überprüfen zu lassen. Sowie die geforderte Summe in Relation zum Klang der Geige zu stellen.

Wert des Instruments

Geigen sind oft bereits Antiquitäten. Daher gibt es auch eine Taxe zur Feststellung der aktuellen Preise. Alte Instrumente steigen stetig im Wert, daher auch die vielen Mythen um millionenschwere Stradivaris.

Mythos Stardivari

Kaum einer hatte bisher noch keine „Stradivari“ in der Hand…

Antonius Stradivarius hat Ende des 18. Jhd. Eine Geige entwickelt, wie sie in ähnlicher Bauweise noch heute gespielt wird. Er hat somit den modernen Geigenbau begründet. Besonders sind seine Geigen vor allem durch ihren exquisiten Klang. Im Lauf der letzten Jahrhunderte hat man alles versucht, um diese Meisterwerke nachzubauen und tausende von Theorien entwickelt, wie dieser einzigartige Klang zustande kommt. Es ist noch eine geringe Zahl von Originalinstrumenten erhalten, deren Wert aufgrund des Alters und der klanglichen Einzigartigkeit natürlich enorm ist.

Im folgenden Jahrhundert wurden viele Geigen dem Stil Stradivaris nachempfunden. Es war üblich, gefälschte Herkunftszettel in die Instrumente zu kleben und dem ein oder anderen Erbauer sind die Käufer auch sprichwörtlich auf den Leim gegangen. Somit wurden die Fälschungen künstlich gealtert und in einem fiktiven Wert gesteigert.
Daher findet man auch heute noch häufig „Stradivaris“ unter diversen Dachbodenfünden.

Elektrische Geigen

Soll es kein akustisches, sondern ein elektrisches Instrument werden, ist die Auswahl natürlich groß. Oft sind die Instrumente recht schwer und klanglich nicht optimal. Ihre Formen sind manchmal wunderbar, manchmal aber auch baulich störend oder instabil.

Tipp

Empfehlenswert ist hier, diverse Geigenforen zu durchsuchen und sich die verschiedenen Ansichten der Spieler zu Gemüte zu führen. Dasselbe betrifft auch die Wahl des geeigneten Tonabnehmers.

Aktive Geigen

Von einer „aktiven Geige“ spricht man dann, wenn ein Preamp (Vorverstärker) bereits in der Geige enthalten ist. Damit hat sie einen höheren Ausgangspegel, was dem Tontechniker den Umgang mit der Signalstärke erleichtert. Allerdings funktionieren diese Instrumente zumeist mit Batterien, weshalb man ständig darauf acht geben muss, dass man auf der Bühne nicht plötzlich ohne Energieversorgung dasteht.

Passive Geigen

„Passive Geigen“ haben demnach keinen eingebauten Vorverstärker. Ihr Ausgangssignal ist somit schwächer, aber im Regelfall macht das nicht viel aus. Es kann aber durchaus sein, dass ein Nachhelfen mit dem Lautstärkepegel vonnutzen ist. Allerdings enthalten viele nachgeschaltete Geräte, wie Effektgeräte oder Equalizer ebenfalls Preamps und können so den Ausgangspegel einer passive Geige kompensieren.

Carbon

Mittlerweile gibt es auch bereits Geigen völlig aus Carbon. Viele haben schon einen sehr guten Klang und sie haben den großen Vorteil, dass sie von der akustischen Geige optisch wie klanglich nicht zu weit entfernt sind und vor allem in jeder Wetter- und Klimalage gespielt werden können. Allerdings sind sie alle in einer ziemlich hohen Preisklasse angesiedelt.

* Die hier genannten Preise entsprechen den deutschen Gepflogenheiten und der Zeit von 2013.